Entstehung:

In Nordrhein-Westfalen führte die Polizei im Jahre 2000 das fotogrammetrische Verfahren "Monobild NRW" zur Vermessung von Unfallstellen flächendeckend ein.

Alle Beamtinnen und Beamte im Streifendienst wurden und werden beschult, um im Rahmen der Unfallaufnahme die fotografischen und messtechnischen Voraussetzungen für eine anschließende photogrammetrische Vermessung und Darstellung der Unfallstelle durch externe Unfallsachverständige schaffen zu können.

Das Monobildverfahren wird als Ersatz für die maßstabsgerechte Unfallskizze bei Unfällen der Kategorien 1 und 2 (mit Toten oder Schwerverletzten) oder nach Belieben auch in anderen Fällen angewendet, wenn es aus technischer Sicht geeignet ist.

Prinzip:

Monobild NRW ist ein Verfahren zur Einbildmessung im Prinzip der planen Ebenenentzerrung. Es erfasst auf zweidimensionalem photogrammetrischem Weg Maße, die sich auf einer Ebene, hier der Fahrbahnoberfläche befinden. Monobild NRW wird mit handelsüblichen Spiegelreflexkameras durchgeführt und geht von der Vierpunktkalibrierung aus, ohne Werte der inneren Kameraorientierung zu berücksichtigen. Hierzu wird die Spurenlage in Vierecke unterteilt. So entsteht ein Messfeldgitter, das die zu vermessende Spurenlage komplett "einrahmt".

Die Größe der Messfelder ist abhängig von der Kamerahöhe über Grund. Bei Fotografie aus Stehhöhe gilt eine Maximalgröße von 5 x 7 m. Kann eine erhöhte Kameraposition realisiert werden (Stehleiter, Feuerwehrfahrzeug Leiterwagen pp.), gilt für die maximale Feldtiefe die Formel Kamerahöhe x 7

Vorgehensweise:

Die Messfelder werden zunächst grob abgeschritten, die Ecken mit Stiftkreide markiert und dann mit so genannten Pointern versehen. Das sind stehende Blechwinkel mit gelb reflektierender pfeilförmiger Markierung auf schwarzem Grund, die den Messpunkt im Bild auch auf große Entfernung zuverlässig anzeigen.

Jedes Messfeld wird nun mit den darin befindlichen markierten Spuren von beiden Schmalseiten einmal fotografiert. Anschließend werden die Vierecke mit dem Bandmaß nach Kantenlängen und Diagonalen genau vermessen. Die Gitternetzmaße werden in einer Monobildskizze, Verkehrsraum und Spuren mit Legende in einer Übersichtsskizze handschriftlich festgehalten.

Die Auswertung geschieht durch polizeiexterne Unfallsachverständige. Hier kommen unterschiedliche Auswertesysteme zum Einsatz. Gängig, zuverlässig und nach wie vor beliebt sind die althergebrachten Punktprojektionsverfahren mittels Tableau oder inzwischen auch am PC mit digitalen Fotos (Venus Photobox). Ebenso werden Bildentzerrungsprogramme wie PC-Rect und auch RolleiMetric MSR eingesetzt.

Vor- und Nachteile:

Im Vergleich zu anderen photogrammetrischen Verfahrensweisen, etwa der Mehrbildorientierung, muss die Monobildmessung als eher einfach und arbeitsaufwändig bezeichnet werden, da pro Feld sechs Maße gemessen werden müssen.

Dafür kann es im Gegensatz zu anderen Verfahren von jedem Polizeibeamten mit relativ einfachen Mitteln in der täglichen Unfallaufnahme eingesetzt werden. Hier bringt Monobild NRW unbestreitbare fotografische Vorteile. Teil des Systems ist eine sehr gründliche fotografische Fortbildung und ferner die strukturierte lückenlose, überlappende Fotografie der Unfallstelle aus zwei Richtungen. Allein das verbessert die Beweislage oft schon entscheidend.

Der Arbeitsaufwand von Monobild NRW ist in direktem Maße abhängig von der erforderlichen Anzahl der Messfelder und damit auch von der verfügbaren Kamerahöhe.

Aus Stehhöhe kann mit 5 Messfeldern eine Spurenlage von 5 m Breite und 35 m Länge schnell und problemlos abgegriffen werden. Das reicht in der Regel für den innerstädtischen Verkehrsunfall aus.

Außerhalb geschlossener Ortschaften haben schwere Verkehrsunfälle ein durchschnittliche Längsausdehnung von 60 m, mitunter bis 150 m. In der Breite sind i.d.R. mehrere Fahrstreifen betroffen. Schnell wird da eine Anzahl von 20 Standardmessfeldern und mehr erforderlich, die einen unzumutbaren Messaufwand bei fragwürdigem Erfolg erzeugen. Hier ist eine erhöhte Kameraposition zwingend erforderlich, die in NRW im Einzelfall u.a. mit Hilfe der Feuerwehr bei sehr guten Ergebnissen verwirklicht wird. Eigene Hilfsmittel oder Spezialfahrzeuge stehen nicht zur Verfügung.

Die Monobildmessung ist nicht immer und nicht überall einsetzbar. Spuren außerhalb der Fahrbahn können nicht erfasst werden. Durch Höhenunterschiede im Messfeld (starke Fahrbahnkrümmung) im Zusammenwirken mit einer geringen Kamerahöhe stellen sich Messungenauigkeiten ein.

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