Zweiradunfälle :

Der Unfallablauf bei Unfällen mit Zweiradbeteiligung unterscheidet sich sowohl in ihrer Entstehung (Einleitungsphase), als auch bei Kollision und bei der Bewegung der Fahrzeuge in ihre Endstände (Auslaufphase) von Pkw/ Pkw-Unfällen.

Zweiräder entwickeln erst durch die eigene Vorwärtsbewegung (sei es durch mechanische Antriebe oder durch Motorkraft) eine Eigenstabilität, so dass bereits geringste Einwirkungen auf das Fahrzeug unvorhersehbare Folgen haben können. Bei Vollbremsungen oder durch (leichte) kollisionsbedingte Stöße wird das Zweirad labil und unkontrollierbar. Diesen Folgen bewusst reagiert ein Zweiradfahrer anders als es der Führer eines Pkw tun würde. Hinsichtlich der gegebenen Sturzgefahr bei blockierenden Rädern wird der Zweiradfahrer die Bremskraft beherzter dosieren, so dass es vor der Kollision viel seltener zum Abzeichnen von Brems- oder Blockierspuren kommt.

Des Weiteren hat der Zweiradfahrer die Möglichkeit, die Vorder- und Hinterräder getrennt voneinander abzubremsen, so dass beim Antreffen von Bremsspuren eine Zuordnung zu den Rädern nicht einfach sein wird. Hinweise darauf, welches Rad abgebremst wurde, können eventuell vorhandene Bremsplatten an den Reifenlaufflächen geben.

Stürzt das Zweirad bereits vor der Kollision (beabsichtigt oder nicht beabsichtigt), so sind vor der Kollisionsstelle markante Schlag- oder Kratzspuren zu finden. Der gestürzte und auf der Fahrbahn entlangrutschende Zweiradfahrer selbst hinterlässt manchmal schwach erkennbare Schleifspuren. Mitgeführte Gegenstände (Rucksack, Tasche, u.ä.) hinterlassen ebenfalls eine solche Schleifspur.

Bei einer Kollision von Zweirad in die Fahrzeugseite des Pkw kommt es häufig zu sogenannten Abwälz- oder Anklappvorgängen, das heißt durch die Vorwärtsbewegung des Pkw wird beim seitlichen Anstoß das drehbare Vorderrad des Zweirades in Fahrtrichtung des Pkw mitgerissen und umgeklappt. Im weiteren Verlauf wird dann das gesamte Zweirad seitlich an die Längsseite des Pkw angelegt.

Des Weiteren kommt es am Kollisionsort auf der Fahrbahn zu kurzen Radierspuren des Vorderreifens des Zweirades, der anstoßbedingt kurz blockiert, auf die Fahrbahn gedrückt und plötzlich beschleunigt wird.

Je nach Anstoßgeschwindigkeit des Zweirades treten im Bereich der Kollisionsstelle Unstetigkeiten in der Brems- und Blockierspur des Pkw auf.

Löst sich nach Kollision das Zweirad vom Pkw, so rutscht dieses auf der Fahrbahn bis zur Endlage weiter und hinterlässt Kratzspuren, die häufig geradlinig verlaufen und unterbrochen sind. Auch Fahrer und Sozius rutschen auf der Fahrbahn und hinterlassen Schleifspuren, wie es auch mitgeführte Gegenstände tun. Diese Spuren gehen meist vom Ausgangspunkt (Nahbereich der Kollisionsstelle) bis zum Endpunkt (Nähe Endlage) trichter- bzw. fächerförmig auseinander. Führt das Zweirad keine Auslaufbewegungen durch, so kann es vorkommen, dass der / die Zweiradaufsassen über den Pkw hinweg oder am Pkw vorbeifliegen, anschließend auf die Fahrbahn aufprallen und nach der Flugphase noch eine Rutschphase mit wiederum entsprechenden Spurzeichnungen durchführt.

Beim Anprall des Zweiradfahrers gegen den Pkw treten sehr häufig an diesem Kopfbeulen auf, die, sofern der Schutzhelm aufgesetzt war, entsprechende Materialantragungen der Schutzhelmschale und Lackantragungen des Pkw am Schutzhelm bewirken.

Häufig kann beobachtet werden, dass der Helm weitab von Fahrzeug und Fahrer gefunden wird, da durch die kollisionsbedingt auftretenden Kopfbeschleunigungen sich der Helm vom Fahrer / Sozius löst und weggeschleudert wird.

Bei einer Pkw-Fahrrad-Kollision (Fahrrad wird seitlich vom Frontbereich des Pkw erfasst) kann man in der Regel folgende Beobachtung machen: der Fahrradsattel dreht sich kollisionsbedingt, d. h. die Sattelspitze weist nach der Kollision häufig in die Richtung, aus der der Pkw kam. Wichtig ist diese Feststellung, wenn die Fahrtrichtungen eines der beteiligten Fahrzeuge nicht bekannt sein sollte. Die Satteldrehung erfolgt durch den Umstand, dass das Fahrrad durch die Kollision unter dem Fahrradaufsassen seitlich weggestoßen wird, während der Aufsasse zunächst seine Eigengeschwindigkeit beibehält und die Sattelspitze durch den Oberschenkel des Fahrradfahrers weggedrückt wird.

Verunfallt ein Fahrradfahrer, kann dieser erhebliche Verletzungen davontragen, insbesondere dann, wenn er keinen Helm trug. Ein Fahrradhelm schützt. Zwar nicht grundsätzlich bei allen Unfällen, aber in vielen Fällen sind weniger dramatische Verletzungen im Kopfbereich zu erwarten. Oftmals hat der Radfahrer aber Glück und kommt mit kleinen Kratzern davon. Das Rad ist in vielen Fällen jedoch schwer beschädigt. Für einen solchen Fall ist es sinnvoll, eine Fahrradversicherung zu haben. Bei Anbietern wie Onlineversicherung.de kann sie online abgeschlossen werden. Die Kosten für die Reparatur werden dann abzüglich der Selbstbeteiligung von der Versicherung erstattet. Wenn das Fahrrad einen Totalschaden hat, beteiligt sie sich an den Kosten für den Kauf eines Ersatzes. Trotzdem gilt für alle Radfahrer: Augen auf im Straßenverkehr. Lieber zu viel umschauen als zu wenig. Wichtig ist auch eine gute Beleuchtung am Rad und an der Kleidung. Gerade in der dunklen Jahreszeit werden viele Radfahrer von Autofahrern übersehen.

Typische Verletzungsbilder der Aufsassen :

- beim Seitenaufprall:

trotz Helmschutz schwere Schädel-Hirn-Verletzungen, Schädel- / Halswirbelverletzungen beim Aufprall des Kopfes auf die Fahrbahn

- beim Überrollen (meist Radfahrer bei Abbiegevorgängen):

schwere, meist tödliche, Zermalmungen

- beim Sturz bzw. Rutschen über die Fahrbahn:

Leber- und Milzverletzungen mit massiven Bauchblutungen beim Sturz in die Lenkstange, je nach Bekleidung und Rutschlänge extreme Schürfungen bis in die Muskulatur und auf die Knochen und die sonstigen Verletzungen wie Brüche, Platzwunden, u.a.

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